Der positive Einfluss von Haustieren auf Kinder

Der "Liebe-Dein-Haustier-Tag" ist eine gute Gelegenheit Deine Fellnase zu verwöhnen.

Wie du in meinem ersten Artikel bereits lesen konntest, haben Haustiere erstaunliche Wirkungen auf unser Wohlbefinden. Sei es der positive Einfluss auf dein Stresslevel, deine Motivation oder auch dein emotionales Wohlbefinden – Tiere tun uns einfach gut. Auch Kinder können auf vielfältige Weise vom Zusammenleben mit Tieren profitieren. Dabei ist der Einfluss von Haustieren auf ihre Entwicklung prägend für das gesamte Leben. Unter welchen Voraussetzungen das besonders bereichernd ist und welche Auswirkungen es genau haben kann, das erfährst du in diesem Artikel.

Sind Kinder, die mit Tieren zusammenleben, gesünder?

Tiere tragen dazu bei, Stress zu senken und die Freude an der Bewegung zu erhöhen. Sie wirken positiv auf das Herz-Kreislauf-System und helfen, Hormone zu regulieren. All das ist wissenschaftlich nachgewiesen.

In Hinblick auf die kindliche Gesundheit ist aber besonders diese Tatsache interessant: Katzen und Hunde erweitern das Bakterienspektrum, das normalerweise in einem Haushalt vorherrscht. Auf den ersten Blick mag dies eher nach einem Argument gegen ein Tier aussehen, richtig? Laut einer amerikanischen Studie könnte dies jedoch ein Grund sein, dass der Gesundheitszustand von Kindern, die mit Tieren zusammenleben, robuster ist. Ihr Organismus muss sich mit vielfältigeren Reizen auseinandersetzen und das stärkt ihn.

So können Katzen und Hunde das Allergierisiko deutlich senken. Das gilt besonders, wenn sie bereits im ersten Lebensjahr des Kindes in der Familie leben, denn dieses ist für die Entwicklung des Immunsystems sehr wichtig.

Baby schläft mit Kätzchen im Arm
Schon im ersten Lebensjahr stärkt das Zusammenleben mit Haustieren das Immunsystem eines Kindes.

Jeder Mensch hat das grundlegende Bedürfnis nach Körperkontakt. Nicht umsonst stehen Hund, Katze, Kaninchen & Co ganz oben auf der Wunschliste der meisten Kids. Dieses Bedürfnis nach Kontakt kann mit solchen Haustieren leicht befriedigt werden. Das weiche Fell regt die Kinder an, das Tier zu berühren und zu streicheln. Die Berührung sorgt für einen Zustand des Wohlbefindens, der Ruhe und Entspannung – eine gute Basis, um gesund zu bleiben.

Können Haustiere die psychische Gesundheit beeinflussen?

Viele Kinder erleben in ihrem Alltag ein großes Maß an Stress. Hohe Anforderungen in der Schule, zahlreiche Freizeitaktivitäten und dazu der große Einfluss durch die Medien, all das müssen sie irgendwie bewältigen. Dazu kommen oft noch ein stressiger Arbeitsalltag der Eltern und deren häufige Abwesenheit  – mit solchen Faktoren müssen sich einige Kinder täglich auseinandersetzen. Haustiere können dabei eine Art Unterstützerfunktion einnehmen. Sie lösen zwar nicht die eigentlichen Probleme, aber ihre Nähe, die Berührung, ihre Pflege und das Spielen mit ihnen senken den Stress. Und das wirkt ausgleichend auf die Psyche.

Tiere sind – das kann jeder Tierbesitzer sicher bestätigen – häufig eine Quelle „für Humor, Gelächter und Spiel im Leben von Menschen“, wie der amerikanische Psychiater Michael Mc Culloch feststellte. Heute ist erwiesen, dass Lachen den Abbau von Stress unterstützt. Und das kannst du bestimmt unmittelbar fühlen, oder?

So heitern uns die kleinen Trollereien unserer Haustiere fast immer sofort auf und wirken sogar antidepressiv. Unzählige Videos auf youtube und anderswo spiegeln wider, wie lustig gerade das Zusammenspiel von Kindern und Tieren sein kann.

Brauner Großpudel mit Kindern
Tiere bringen uns zum Lachen.

Vertraute Haustiere werden von Kindern oft als Familienmitglieder, echte Freunde, Spielkameraden und Seelentröster wahrgenommen. Dabei werten die Tiere nicht, sondern genießen einfach das Zusammensein. Dies kann das Selbstvertrauen von Kindern enorm stärken. Ein schönes Gefühl – einfach sein zu dürfen, wie man ist und dafür geliebt zu werden.

Wie wirkt sich die Tier-Kind-Beziehung auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes aus?

Haustiere geben Selbstvertrauen, fördern das Verantwortungsbewusstsein und die Kommunikationsfähigkeit. Schon ganz kleine Kinder können vom Kontakt mit ihnen profitieren. Kinder mit Hunden sind häufig umgänglicher, weniger aggressiv und kommen besser mit Misserfolgen zurecht. Darüber hinaus werden ihre Ausdauer und ihre Konzentrationsfähigkeit gestärkt.

Eine Studie aus den USA untersuchte den Zusammenhang von Angststörungen bei Kindern und dem Zusammenleben mit einem Haustier. Unter den Kindern mit Tieren litten nur 12 % unter Angststörungen. Bei den Kindern ohne Tiere waren es hingegen 21 %. Die Erklärung der Forscher: Kinder entwickeln eine sehr starke Bindung zu ihren Haustieren. Dadurch wird das Selbstwertgefühl gestärkt und so Schüchternheit und Trennungsangst reduziert.

In einer Untersuchung an Scheidungskindern stellte sich heraus, dass ihre Hunde oft als Tröster und Gesprächspartner dienen. Sie sind etwas Verlässliches im soeben zerbrochenen Leben und helfen so, den Kummer über die schwierige Familiensituation abzumildern.

Ein Labrador ist ein sehr kinderlieber und geduldiger Hund.
Tiere können enge Vertraute von Kindern werden.

Sogar verhaltensauffällige und traumatisierte Kinder können vom Zusammensein  mit Tieren profitieren. Ein Hund enttäuscht nicht, ist immer da und verlässlich. Die Beziehung zu einem Tier kann somit eine stärkende und stützende Konstante darstellen. Daher arbeiten manche Schulen mit Schulhunden. Ein Hund hilft auch dabei, Stress und Aggressionen abzubauen. Stille Kinder aktiviert er, auf besonders aktive Kinder kann er beruhigenden Einfluss haben.
Auf die stimmungsaufhellende Wirkung von Hunden setzt die Washington State University in der Therapie von alkohol- oder drogenabhängigen Jugendlichen.

Weshalb ist die Tier-Kind-Kommunikation so hilfreich?

Tiere haben in der Kommunikation mit uns Menschen einen entscheidenden Vorteil – sie bewerten uns nicht. Ihnen sind deine Äußerlichkeiten, deine Religion, deine Schulnoten oder dein Beruf egal. Tiere nehmen vorbehaltlos Kontakt auf und haben keine Vorurteile. Laut der Psychologin Andrea Beetz ist genau das  wichtig für eine gesunde emotionale Entwicklung. Ein Kind braucht keine Angst zu haben, für sein Aussehen oder Benehmen kritisiert zu werden – es wird einfach als Gegenüber anerkannt

Prof. Dr. Reinhold Bergler vom Forschungskreis „Heimtiere in der Gesellschaft“ erklärte, dass insbesondere Hunde Kindern das Gefühl von Zuwendung, Verstehen und konfliktfreiem Dasein vermitteln. Sie bieten dem Kind Zuneigung, Schutz und Geborgenheit. Er befragte in einer Studie 240 Kinder, welche Aussagen sie über die Beziehung zu ihrem Hund unterstreichen würden:

  • 86 % der Kinder bestätigten, dass ihr Hund immer für sie da ist und sie ihm alles erzählen könnten.
  • 81 % sagten, dass er ihnen immer zuhörte.
  • 76 % der Kinder fühlten sich in Gegenwart ihres Hundes sicher und hätten keine Angst.
  • 72 % stimmten der Aussage zu, dass ihr Hund sie tröstet, wenn sie traurig sind oder Sorgen haben.
Beginn einer großen Liebe, Kind im Umgang mit Pony
Unsere Tiere sind immer für uns da und können uns Halt geben.

Eine andere Studie hat ergeben, dass sich 75 % der Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, an ihr Tier wenden, wenn sie sich emotional belastet fühlen. Dies ist insbesondere bei Schulstress oder Ärger mit den Eltern der Fall. Kinder vertrauen ihrem Tier auch Geheimnisse oder Dinge an, über die sie mit einem Menschen nicht so leicht sprechen würden.

Die feinen Antennen eines Tieres lassen es die Stimmung seines menschlichen Partners erspüren und oft auch darauf reagieren. Vielleicht ist es dir auch schon passiert, dass du Sorgen hattest und dir dein Hund plötzlich seinen Kopf schwer auf das Knie legt und dich intensiv anschaut. Dass er einfach nur da ist und schaut. Die Wärme und Ruhe deines Tieres können dir unmittelbar Vertrauen und Beruhigung vermitteln.

Gleichzeitig geben Tiere aber auch eine direkte Rückmeldung, wenn ihnen menschliches Verhalten Unbehagen bereitet, wie z. B. die Katze, die dem unruhig zappelnden Kind den Rücken zuwendet und geht. Damit verurteilt sie nicht das Kind an sich, sondern reagiert lediglich neutral auf ein unangemessenes Verhalten. So können Kinder lernen, sich auf die Vorlieben und Bedürfnisse des Gegenübers einzustellen und darauf Rücksicht  zu nehmen.

Der Einfluss von Haustieren auf den Erwerb sozialer Kompetenzen

Auch soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Verantwortungsgefühl und Hilfsbereitschaft werden durch das Zusammenleben mit Tieren gefördert. Kinder mit einem Haustier sind darin besser als Altersgenossen ohne Tier. Sie erfahren, dass sie mit bedingungsloser Zuneigung belohnt werden, wenn sie auf ihr Tier eingehen und seine Bedürfnisse respektieren. Zudem sind sie geübter in non-verbaler Kommunikation und sensibler darin, unterschwellige Signale wahrzunehmen. Das führt dazu, dass solche Kinder häufig weniger Streitereien haben. Sie sind sogar eher auf Schlichtung und Vermittlung aus und besitzen insgesamt eine größere emotionale Stabilität.

Katzen, Kinder und Entspannung
Kinder mit Haustieren sind weniger aggressiv und seltener in Streitereien verwickelt.

Können Haustiere Einfluss nehmen auf die Leistungsfähigkeit von Kindern?

Haustiere fördern die emotionale Ausgeglichenheit und tragen zu einer entspannteren Grundhaltung bei. Das wirkt sich positiv auf die Leistungsfähigkeit von Kindern aus. Sie sind aufmerksamer, können sich besser konzentrieren und haben bessere Gedächtnisleistungen. Die Schweizer Psychologin Karin Hediger zeigte in einer Untersuchung mit 24 Kindern, dass das Zusammensein mit einem Hund vor einem Test oder seine Anwesenheit währenddessen die Leistungen steigern kann. Ein Roboterhund statt des lebendigen Tieres führte nicht zu Leistungsverbesserungen.

Das erklärt, wieso mitunter Schulhunde im Unterricht eingesetzt werden. Das Klima in der Klasse entspannt sich und die Schüler können bessere Leistungen bringen.

Was muss beachtet werden, damit ein Zusammenleben von Kindern mit Tieren gelingt?

Viele Kinder haben schon früh den Wunsch nach einem eigenen Haustier. Bei manchen vergeht er allerdings schnell wieder, wird ersetzt durch Skateboard oder PC. Bleibt der Wunsch jedoch über längere Zeit bestehen, sollten Eltern darüber nachdenken, ob sie ihn erfüllen können. Wichtig ist dabei, dass die ganze Familie einverstanden ist. Außerdem müssen sich die Eltern im Klaren sein, dass sie letztlich die Verantwortung für das neue Familienmitglied tragen.

Besonders Kinder, bei denen der Kontakt zum Tier eng und intensiv ist, profitieren vom Zusammenleben mit ihm. Ein eher beiläufiges „im gleichen Haushalt leben“ bringt den positiven Einfluss von Haustieren nicht so deutlich hervor.

Das Kind sollte deshalb lernen, das Tier zu versorgen, dabei aber seinem Alter entsprechend angeleitet werden. Schritt für Schritt kann es immer ein Stück mehr Verantwortung übernehmen. Es wird Situationen geben, in denen das Kind mal keine Lust hat und es deswegen zu Auseinandersetzungen kommt. In so einem Fall müssen die Eltern dafür sorgen , dass die Bedürfnisse des Tieres erfüllt werden – durch sie selbst oder das Kind.

Kinder, Mädchen und Junge, füttern ein weißes Kaninchen
Kinder müssen erst lernen, Verantwortung für ihre Haustiere zu übernehmen.

Auch muss einem Kind das arttypische Verhalten eines Tieres erst nähergebracht werden. Meerschweinchen sind nun einmal Fluchttiere und nicht begeistert von überschwänglichen Kuscheleinheiten. Hunde haben ihre eigene Körpersprache, die ein Kind verstehen muss, um unter Umständen gefährliche Missverständnisse zu vermeiden.

Die artgerechte Haltung des Tieres muss stets an oberster Stelle stehen. Ein Haustier ist völlig von uns Menschen abhängig, seine Grundbedürfnisse müssen von uns als Halter erfüllt werden. Es ist die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern einen respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit den tierischen Gefährten vorzuleben. Nur so kann ein wirklich schönes Zusammenleben entstehen.

Der beste Freund des Menschen benötigt einen regelmäßigen Check up beim Tierarzt
Tiere machen glücklich! Aber das Zusammenleben mit ihnen muss gelernt werden.

Fazit

Haustiere können Kinder in ihrer Entwicklung fördern und nachhaltig positiv prägen. Sie haben ihren Altersgenossen, die ohne ein Tier aufwachsen, in vielen Aspekten etwas voraus. Je enger und bewusster dabei das Zusammensein ist, desto eher zeigen sich positive Wirkungen. Das Wohl des Tieres muss dabei jedoch immer berücksichtigt werden, damit das Zusammenleben für alle Beteiligten eine schöne, runde Sache ist.

Wenn dich das Thema „Kinder und Tiere“ weiterführend interessiert, kannst du auf dieser Seite viele interessante Nachrichten finden. Sie ist ein Ableger des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft und eine informative Fundgrube für Eltern und Pädagogen.

Wie sind deine Erfahrungen zum Zusammenleben von Kindern und Tieren?
Schreib es uns gerne in die Kommentare.


Bildcredit: (c) V&P Photo Studio - fotolia.com


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About Anja 55 Articles
Ich bin Anja, ausgebildete Hundephysiotherapeutin und lebe seit vielen Jahren mit den verschiedensten Tieren/Tierarten zusammen. Aktuell mit zwei Hunden, einer Katze und zwei griechischen Landschildkröten. Außerdem habe ich mehrere Jahre für den Tierschutz Wildtierbabies, insbesondere Vögel und einige Würfe verwaister Katzenbabies aufgezogen.

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